# Koffein im Tee: wie viel wirklich drinsteckt

Eine Tasse Tee (200 ml) enthält etwa 30–70 mg Koffein — gegenüber 80–120 mg in einer Tasse Kaffee. Die genaue Zahl hängt weniger von der Teeklasse ab als vom Material, der Wassertemperatur, der Ziehzeit und der Blattmenge.

Um das Teekoffein ranken sich viele Mythen: dass Weißtee „fast koffeinfrei“ sei, dass das Spülen den Großteil entferne, dass Grüntee immer leichter sei als roter. Schauen wir, was die Messungen sagen.

## Wie viel Koffein in den einzelnen Klassen steckt

Mittelwerte pro Tasse à 200 ml: Grüntee 25–45 mg, Weißtee 30–55 mg, Oolongs 30–50 mg, roter Tee 40–70 mg, Sheng und Shu Pu-Erh 40–70 mg. Die Spannen sind breit und überlappen sich: Ein konkreter Baihao Yinzhen aus reinen Knospen kann stärker sein als ein konkreter roter Tee aus reifem Blatt — in den Knospen steckt am meisten Koffein.

## Wovon der Gehalt abhängt

Koffein ist reichlicher in Knospen und jungen Blättern; Tee von kleinblättrigen Sträuchern enthält weniger als das großblättrige Yunnan-Material für Pu-Erhs und Dian Hong. Die Extraktion wächst mit Temperatur und Zeit: Fünf Minuten in kochendem Wasser holen fast alles Koffein heraus, ein kurzer Zehn-Sekunden-Aufguss nur einen Teil. Deshalb dosiert Gongfu Cha das Koffein schluckweise, während der Becher mit Teebeutel es auf einmal abgibt.

## Der Mythos vom Entkoffeinieren durch Spülen

Der beliebte Rat „Spülen Sie den Tee 30 Sekunden — bis zu 80 % des Koffeins verschwinden“ hält den Messungen nicht stand: In 30 Sekunden werden nur etwa 10–20 % des Koffeins extrahiert — und mit ihnen ein spürbarer Teil des Aromas. Das Spülen dient dazu, Staub abzuwaschen und das Blatt zu öffnen, aber als Methode der Koffeinentfernung funktioniert es nicht. Wer koffeinempfindlich ist, trinkt einfach weniger und früher am Tag.

## L-Theanin: warum Tee anders belebt

Neben Koffein enthält Tee die Aminosäure L-Theanin (20–50 mg pro Tasse), die die Koffeinstimulation abfedert: Die Wachheit kommt sanfter und ohne das für Kaffee typische Zittern. Genau das Duo „Koffein + Theanin“ erzeugt den Zustand ruhiger Konzentration, den man an grünen Tees und beschatteten Sorten wie Gyokuro schätzt — die chinesische Tradition beschreibt ihn als Teil des Cha Qi.

## Tee gegen Kaffee

Espresso gibt das Koffein schlagartig ab, Tee gestreckt: Tannine verlangsamen die Aufnahme, Theanin glättet die Spitze. Praktische Folgerung: Eine Tasse roter Jin Jun Mei am Morgen belebt vergleichbar mit einem milden Kaffee, aber ohne den scharfen Einbruch nach einer Stunde. Am Abend wählt man besser Tees aus reifem Blatt — gereiften Lao Shou Mei, späte Oolong-Ernten — oder verkürzt die Ziehzeit.

## GABA-Tee: der Sonderfall

GABA-Oolong wird in sauerstofffreier Umgebung fermentiert, wodurch sich im Blatt Gamma-Aminobuttersäure (GABA) anreichert — bis zu 150–400 mg pro 100 g Blatt. Koffein bleibt enthalten, doch das Wirkprofil verschiebt sich Richtung Entspannung: Viele wählen GABA-Oolong als Abendtee. Die wissenschaftlichen Daten zur Wirkung von GABA aus Tee sind noch bescheiden, aber der Tee selbst — mild, brotig-fruchtig — verdient eine Probe ganz unabhängig von den Effekten.


## Tipps

- Wollen Sie weniger Koffein — nehmen Sie Tees aus reifem Blatt (Shou Mei, Liu Bao), brühen Sie kürzer und kühler, statt sich auf das Spülen zu verlassen.
- Trinken Sie starken Tee nicht auf nüchternen Magen: Koffein und Tannine auf leeren Magen verursachen Übelkeit — das, was man „Teerausch“ nennt.
- Orientieren Sie sich an der eigenen Empfindlichkeit: Als unbedenklich gelten bis zu 300–400 mg Koffein pro Tag, das sind 5–8 Tassen Tee.

Source: https://www.dao-cha.info/de/guide/caffeine