# Flush und Tips: was das auf der Teepackung bedeutet

Ein Flush ist eine Wachstumswelle des Teestrauchs und die zugehörige Ernte: Der erste Frühjahrs-Flush wird am höchsten geschätzt. Tips sind ungeöffnete Blattknospen, der zarteste Teil des Triebs. Je mehr Tips im Tee und je früher die Ernte, desto feiner und süßer meist der Geschmack — und desto höher der Preis.

Beide Begriffe stammen aus dem indischen Teehandel, doch das Phänomen selbst ist universell: Die chinesische Tradition baut seit Jahrhunderten auf denselben Frühjahrsernten und Knospen auf — sie nennt sie nur anders.

## Was ist ein Flush?

Nach der Winterruhe treibt der Strauch neue Triebe in Wellen aus. Der erste Flush (in Darjeeling März–April) liefert das aromatischste und zarteste Blatt: Die Pflanze hat den ganzen Winter Stoffe gespeichert. Der zweite Flush ist dichter und kräftiger, Sommer- und Herbsternten sind schlichter und billiger. Die Regel „je früher, desto feiner“ gilt für fast alle Tees der Welt.

## Was sind Tips?

Ein Tip ist eine Knospe, die sich noch nicht zum Blatt entfaltet hat, bedeckt mit silbrigem oder goldenem Flaum. In der Knospe ist die Konzentration an Aminosäuren und Aromastoffen maximal, grobe Fasern fehlen. Pflückungen wie „eine Knospe, ein Blatt“ sind mühsam: Für ein Kilogramm Tee braucht es Zehntausende Triebe — daher der Preis der Knospentees.

## Was bedeuten die Buchstaben FTGFOP?

Die indische Gradierung beschreibt das Blatt mit Abkürzungen: OP — ganzes Blatt, GFOP — mit goldenen Tips, FTGFOP — „feines Blatt mit vielen goldenen Tips“. Man scherzt, es stehe für Far Too Good For Ordinary People. Das Alphabet wirkt eindrucksvoll, sagt aber nur etwas über das Aussehen des Blatts, nicht über den Geschmack: Trinken sollte man den Tee, nicht die Buchstaben.

## Wie ist das in China geregelt?

China kommt ohne Abkürzungen aus, schätzt aber dasselbe. Mingqian — die Ernte vor dem Qingming-Fest im April — ist das Pendant zum ersten Flush: Früher Longjing Mingqian wird um ein Vielfaches höher gehandelt als später. Der Standard „eine Knospe, ein Blatt“ beschreibt die Zusammensetzung des Materials. Goldene Tips sind der Stolz von Dian Hong und Jin Jun Mei, und Baihao Yinzhen besteht ausschließlich aus silbrigen Knospen.

## Warum geben Tips Süße und Samt?

In den Knospen steckt am meisten L-Theanin und andere Aminosäuren — sie geben Süße und bouillonartige Dichte — und weniger Catechine, die für die Herbheit verantwortlich sind. Der Flaum auf den Knospen (Trichome) ist reich an Aromastoffen und erzeugt jenes samtige Gefühl im Mund; in der Tasse setzt er sich als feiner goldener Schwebstoff ab — ein Zeichen für Knospentee, kein Schmutz.

Eine wichtige Einschränkung: „mehr Tips“ heißt nicht „besser für alle“. Knospentees sind feiner und süßer, Blatttees dagegen kräftiger und ausdauernder im Aufguss; eine gute Mischung aus Knospe und Blatt ist oft interessanter als reine Knospen.


## Tipps

- Zahlen Sie bei indischem Tee nicht für die Länge der Abkürzung — orientieren Sie sich an Erntejahr, Frische und dem Ruf des Gartens.
- Gießen Sie Knospentees sanfter auf: 85–92 °C, sonst kippt die feine Süße in Herbheit.
- Der leichte goldene „Blütenstaub“ und die Härchen im Aufguss von Dian Hong oder Baihao Yinzhen sind Trichome der Knospen — ein Qualitätszeichen des Materials.

Source: https://www.dao-cha.info/de/guide/flushes-and-tips