# L-Theanin: warum Tee anders belebt als Kaffee

Die kurze Antwort: L-Theanin ist eine Aminosäure, die 1–2 % des Trockengewichts des Teeblatts ausmacht und in anderen Pflanzen kaum vorkommt. Sie ist verantwortlich für den Umami-Geschmack und die süßliche „Bouillon-Note“ des Aufgusses, und im Duo mit Koffein erzeugt sie jenen Zustand ruhiger Konzentration: Die Aufmerksamkeit schärft sich, aber ohne das Zittern und die Unruhe, die für Kaffee typisch sind. Studien zeigen, dass die Kombination aus etwa 100 mg Theanin und 50 mg Koffein die Aufmerksamkeitswerte stärker verbessert als jede Substanz für sich.

## Was ist L-Theanin?

Chemisch ist es Gamma-Glutamylethylamid — ein Verwandter der Glutaminsäure. Die Pflanze synthetisiert es in den Wurzeln und transportiert es in die jungen Triebe, deshalb steckt am meisten Theanin in Knospen und ersten Blättern. Im Licht wandelt sich Theanin allmählich in Catechine um — daraus folgt die Schlüsselregel: Je weniger Licht das Blatt bekommen hat, desto „süßer“ und milder ist es, und desto höher sein Theaninanteil im Verhältnis zu den bitteren Komponenten.

## Wie wirkt Theanin zusammen mit Koffein?

Theanin passiert die Blut-Hirn-Schranke und erhöht die Aktivität der Alphawellen des Gehirns — jenes Rhythmus, der mit entspannter Wachheit verbunden ist. Es moduliert zugleich den Spiegel von GABA, Dopamin und Serotonin. Koffein blockiert währenddessen weiter die Adenosinrezeptoren und vertreibt die Schläfrigkeit. Das Ergebnis: Wachheit ohne Nervosität — Koffein liefert die Kraft, Theanin glättet die Spitzen. Genau deshalb bleibt nach einer Tasse Tee das „Kaffeezittern“ gewöhnlich aus, selbst wenn sie so viel Koffein enthält wie ein Espresso. Wie viel Koffein in welchen Tees steckt, steht im Guide „Koffein im Tee“.

## Welche Tees enthalten am meisten Theanin?

Am meisten: Tees aus Knospen und jungem Blatt sowie Schattentees. Die praktische Liste: Knospentees — Baihao Yinzhen, tipreiche rote Tees wie Jin Jun Mei (warum Tips Süße geben, erklärt der Guide „Flush und Tips“); frühe Grüntees — Longjing vor Qingming, Biluochun (der Vergleich der beiden steht in einem eigenen Beitrag); Schattentees — die japanischen Gyokuro und Matcha, bei denen der Strauch drei Wochen vor der Ernte beschattet wird, in der chinesischen Tradition gibt es kaum ein direktes Pendant; GABA-Oolongs — hier kommt zum Theanin noch GABA hinzu, dem der eigene Guide „GABA-Tee“ gewidmet ist.

Am wenigsten Theanin enthalten Tees aus grobem, reifem Blatt und stark oxidierte.

## Wie gießt man Tee auf, um das Theanin zu bewahren?

Theanin löst sich gut in Wasser mäßiger Temperatur und wird, anders als ein Teil der Aromatik, nicht zerstört. Hohe Temperatur und langes Ziehen holen dafür mehr bittere Catechine und Koffein heraus — sie überdecken die sanfte Wirkung. Daraus folgt die Praxis: grüne und weiße Tees bei 70–85 °C aufgießen (die Tabelle steht im Guide „Wassertemperatur für Tee“) und kurze Aufgüsse statt langen Ziehens machen. Der Extremfall ist der Kaltaufguss: Theanin und Zucker gehen gut ins Wasser über, Koffein und Tannine kaum — daher der süße Aufguss ohne Bitterkeit.

## Lohnt sich Theanin in Kapseln?

Als Nahrungsergänzung wird Theanin in Dosen von 100–200 mg verkauft — mehr als in einer Tasse Tee (gewöhnlich 6–25 mg). Studien zu den Präparaten zeigen Effekte auf Ängstlichkeit und Aufmerksamkeit, doch mit Tee ist das eine ziemlich andere Erfahrung: Im Tee wirkt Theanin im Verbund mit Koffein, Catechinen und Aromatik, und das Ritual des Aufgießens selbst trägt zur Entspannung bei — das reproduziert keine Kapsel.


## Fragen und Antworten

**Was ist L-Theanin, einfach erklärt?**

Eine Aminosäure des Teeblatts, die den Umami-Geschmack und ruhige Konzentration schenkt — Wachheit ohne Nervosität.

**In welchem Tee steckt am meisten Theanin?**

In Knospen- und frühen Frühjahrstees: Silbernadeln, Longjing vor Qingming, den japanischen Schattentees Gyokuro und Matcha.

**Hilft Theanin gegen Ängstlichkeit?**

Studien zu Präparaten in Dosen von 100–200 mg zeigen eine verringerte subjektive Ängstlichkeit, doch die Daten sind vorläufig, und eine Tasse Tee enthält um ein Vielfaches weniger Theanin.

**Warum zittert man nach Tee nicht wie nach Kaffee?**

Tee enthält pro Tasse weniger Koffein, und Theanin glättet die Adrenalinspitze — subjektiv fällt die Wachheit gleichmäßiger aus.

*Informationsmaterial. Die Forschung zu L-Theanin läuft weiter; ein Teil der Ergebnisse ist vorläufig und stammt aus kleinen Stichproben.*

Source: https://www.dao-cha.info/de/guide/l-theanine