# Teerausch (Cha Zui): was das ist und warum es einen vom Sheng „erwischt“

Die kurze Antwort: Der Teerausch (chin. 茶醉, Cha Zui) ist ein Zustand aus Schwindel, Schwäche, Schweißausbruch und leichter Übelkeit, der nach viel starkem Tee auftritt, meist auf nüchternen Magen. Mystisch ist daran nichts: Es ist die Kombination aus schnell anflutendem Koffein, absinkendem Blutzucker und der Reizung des Magens durch Tannine. Er vergeht in 20–40 Minuten, wenn man etwas isst. Am häufigsten erwischt es einen beim jungen Sheng Pu-Erh — er enthält viel Koffein und viele Catechine zugleich.

## Wie fühlt es sich an?

Die Symptome sind unverkennbar und recht einheitlich: leichter Schwindel, Schweiß auf Stirn und Handflächen, ein Gefühl von Leere und Schwäche im Körper, Herzklopfen, manchmal Übelkeit und Ohrensausen. Die Stimmung ist dabei oft gehoben, leicht „schwebend“ — daher der Name. Wer die chinesische Teekultur kennt, verwechselt diesen Zustand mitunter mit Cha Qi (茶氣) — der „Energie des Tees“. Der Unterschied besteht: Cha Qi beschreibt die Tradition als angenehme, wärmende Welle, Cha Zui ist Unbehagen und das Signal, aufzuhören.

## Warum passiert das?

Drei Faktoren überlagern sich. Erstens eine Stoßdosis Koffein: Eine Gongfu-Sitzung mit 10 Aufgüssen auf 7 g Blatt liefert 100–200 mg Koffein binnen einer Stunde — auf leeren Magen wird es schnell und abrupt aufgenommen. Zweitens Hypoglykämie: Catechine und Koffein beeinflussen den Glukosestoffwechsel, und wer seit dem Morgen nichts gegessen hat, hat ohnehin wenig Zucker im Blut; daher die Schwäche und der Schweiß — im Grunde dasselbe wie bei Hunger. Drittens Tannine auf der Schleimhaut: Ein starker Aufguss auf leeren Magen reizt sie und fügt dem Bild die Übelkeit hinzu. Mehr dazu im Guide „Tee auf nüchternen Magen, zum Essen und am Abend“.

## Bei welchen Tees erwischt es einen öfter?

Der Spitzenreiter ist junger Sheng Pu-Erh von 1–5 Jahren: hohe Konzentration aktiver Stoffe und noch keine Milde der Reifung. Es folgen kräftig aufgegossene frühe Grüntees, Dancongs und andere stark aromatische Oolongs bei üppiger Dosierung sowie jeder Tee, wenn man 8–9 g auf einen 100-ml-Gaiwan nimmt. Am seltensten: Shu Pu-Erh und gereifter Weißtee wie Lao Shou Mei — ihr Koffein ist teilweise umgewandelt, die Tannine sind gemildert. Wie sich Sheng über die Jahre verändert, steht im Guide „Wie Pu-Erh reift“.

## Was tun, wenn es einen erwischt hat?

Der praktische Ablauf: die Sitzung abbrechen, etwas Süßes oder Kohlenhydrathaltiges essen — ein Keks, eine Dattel, ein Stück Brot (in chinesischen Teehäusern reicht man nicht umsonst Süßes zum Tee), stilles Wasser trinken, 15–20 Minuten sitzen bleiben. Die Symptome vergehen binnen einer halben Stunde. Bleibt der Zustand bestehen oder kommen starkes Herzklopfen und Atemnot hinzu, ist das ein Grund für den Arztbesuch — nicht dafür, es auf den Tee zu schieben.

## Wie beugt man vor?

Die Sitzung nicht nüchtern beginnen — wenigstens ein kleiner Imbiss vor dem Tee; bei langen Sitzungen etwas Süßes bereithalten; den Tag mit mildem Tee beginnen und den starken Sheng auf die Zeit nach dem Frühstück verschieben; die Dosierung verringern: 4–5 g auf 100 ml statt 7 — am Geschmack verlieren Sie fast nichts, die Belastung sinkt (mehr zu Grammzahlen im Guide „Tee im Gaiwan zubereiten“); und die Gesamtmenge im Blick behalten — die Richtwerte stehen im Guide „Wie viele Tassen Tee pro Tag man trinken kann“.


## Fragen und Antworten

**Was ist Cha Zui?**

Der chinesische Begriff 茶醉 — „Teerausch“ — bezeichnet einen Zustand aus Schwindel und Schwäche nach starkem Tee, meist auf leeren Magen.

**Ist der Teerausch gefährlich?**

An sich nicht — es ist eine vorübergehende Reaktion auf Koffein und absinkenden Blutzucker. Nach dem Essen vergeht er in 20–40 Minuten. Bei Herzerkrankungen sollte man es aber gar nicht erst so weit kommen lassen.

**Warum wird einem vom Pu-Erh schwindlig?**

Meist geht es um jungen Sheng: hohe Konzentration von Koffein und Catechinen plus leerer Magen. Beim Shu Pu-Erh kommt das deutlich seltener vor.

**Worin unterscheidet sich Cha Zui von Cha Qi?**

Cha Qi beschreibt die Tradition als angenehme, wärmende Energiewelle, Cha Zui als Unbehagen: Schwäche, Schweiß, Übelkeit.

*Informationsmaterial. Wenn nach dem Tee regelmäßig starkes Herzklopfen, Atemnot oder Ohnmachten auftreten, ist das ein Grund für eine Untersuchung — nicht für einen Sortenwechsel.*

Source: https://www.dao-cha.info/de/guide/tea-drunk