Gongfu Cha (工夫茶, gōngfu chá)
Gongfu Cha (工夫茶) ist die südchinesische Tradition der Teezubereitung: viel Blatt, kleines Geschirr, kurze Aufgüsse. „Gongfu“ bedeutet „Meisterschaft, erworben durch Zeit und Mühe“.
Das Wort „Gongfu“ ist dasselbe wie in den Kampfkünsten: eine Fertigkeit, die über Jahre der Übung verfeinert wird. Gongfu Cha entstand in Chaozhou und im Süden Fujians als Methode, Oolongs zu entfalten — vor allem Fenghuang Dancong und die Wuyi-Tees wie Da Hong Pao. Statt eines langen Aufgusses durchläuft der Tee eine Serie kurzer Infusionen, und jede zeigt eine neue Facette des Geschmacks.
Technisch sieht das so aus: eine kleine Kanne oder ein Gaiwan, das Blatt füllt einen beträchtlichen Teil des Volumens, das Wasser ist heiß, die ersten Aufgüsse dauern nur Sekunden. Der Aufguss wird in den Gongdaobei abgegossen und auf winzige Schälchen verteilt. Ein und dasselbe Blatt hält fünf, acht, manchmal mehr als zehn Aufgüsse durch, und seine Entwicklung — vom dichten Anfang zum transparenten Finale — ist der eigentliche Handlungsbogen des Geschehens.
Gongfu Cha ist kein strenges Ritual, sondern eine Praxis der Aufmerksamkeit. Es gibt keine vorgeschriebenen Gesten, wohl aber Anforderungen an die Präzision: Wassertemperatur, Aufgusszeit, Vorwärmen des Geschirrs. Der typische Fehler ist, Gewohnheiten der „europäischen“ Zubereitung zu übertragen: wenig Blatt und langes Ziehen ergeben einen bitteren, flachen Aufguss. Wenn das Wuxing im Oolong das Element Feuer sieht, dann ist Gongfu Cha die Kunst, dieses Feuer im Zaum zu halten: es weder zu ersticken noch auflodern zu lassen.
Tees, bei denen das vorkommt
Glossar des chinesischen Tees