Hui Gan (回甘, huígān)
Hui Gan (回甘, huígān) — die „wiederkehrende Süße“: ein Nachgeschmack, bei dem sich nach dem Schluck Tee im Rachen und am Zungengrund eine anschwellende Süße ausbreitet. Eines der wichtigsten Merkmale hochwertigen Tees.
Wörtlich bedeutet Hui Gan „Rückkehr der Süße“. Es ist nicht die Süße des Aufgusses selbst, sondern eine Antwort des Körpers: Der Tee kann im Mund herb und sogar bitterlich sein, doch einige Sekunden nach dem Schluck entfaltet sich im Rachen eine kühle, fast fruchtige Süße. In der chinesischen Verkostungstradition heißt es: Bitterkeit, die sich in Süße verwandelt, ist das Zeichen eines lebendigen Tees; Bitterkeit, die Bitterkeit bleibt, das Zeichen eines groben.
Der Mechanismus hängt mit den Polyphenolen des Teeblatts zusammen: Sie „adstringieren“ die Rezeptoren für einen Moment, und der anschließende Kontrast der Empfindungen wird als Süße gelesen. Am deutlichsten zeigt sich Hui Gan in jungem Sheng Pu-Erh, in Wuyi-Oolongs wie Rou Gui und in guten Grüntees — etwa in Taiping Houkui. Je älter die Bäume und je reiner das Material, desto länger zieht sich dieser Schweif.
Für die Praxis ist Hui Gan ein nützliches Bewertungswerkzeug: Achten Sie beim Probieren eines unbekannten Tees nicht auf den ersten Geschmack, sondern darauf, was zehn bis zwanzig Sekunden nach dem Schluck geschieht. Ein langer, tiefer Nachgeschmack spricht fast immer für gutes Material, selbst wenn der Aufguss selbst schlicht wirkte. Ein Fehler ist, Hui Gan mit gewöhnlicher Süße des Aufgusses zu verwechseln: Süßer Tee und Tee mit süßer Wiederkehr sind verschiedene Phänomene — und das zweite wird weit höher geschätzt.
Tees, bei denen das vorkommt
Glossar des chinesischen Tees