Liu Bao (六堡茶)
Archetyp: Hüter des Kellers
Der Hüter eines dunklen Kellers: ein Betel-Aroma, feuchte Steine, eine weiche holzige Kraft, ein ruhiges, wärmendes Qi.
Geschichte
Liu Bao Cha ist ein nachfermentierter „schwarzer“ Tee (Hei Cha) aus dem Kreis Liu Bao in Guangxi. Hergestellt wird er nach einem besonderen Verfahren: das Blatt wird fixiert, gerollt, feucht fermentiert, in geflochtene Körbe gepresst und für Jahre in Höhlen oder Keller gelegt. Das typische „Betel“-Aroma („Beng Lan Xiang“) entsteht nur bei langer Reifung in richtig feuchtem Raum. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde Liu Bao massenhaft an chinesische Arbeiter in den Zinnminen Malaysias geschickt — er rettete sie vor tropischer Hitze und schwerem Wasser.
Terroir
Der kanonische Liu Bao reift in den Höhlen des Dorfes Liu Bao; moderne „Fabrik“-Versionen folgen dem gleichen Verfahren, aber in kontrolliertem Milieu.
Blatt
Betelnuss, feuchter Stein, dunkles Holz, eine leichte Süße, eine weiche Erde lang, wärmend; der Nachhall — „ein warmer Stein im Bauch“
Eigenschaften
reich an Produkten langer Fermentation; traditionell bei tropischer Hitze, zur Verdauung schwerer Kost, für die Immunkraft warm, absteigend, gleichmäßig; spürbar wie „eine Stütze unter der Brust“ niedrig bis moderat (20–35 mg)
Brau-Ritual
ein Tonkrug, 110 ml; 100 °C; 6 g / 110 ml. 10s — das erste Betel-Aroma: Stein, Nuss; 12s — der Höhepunkt: dunkles Holz, weiche Erde; 15s — eine tiefe wärmende Note; 22s — eine lange süße Spur; 35s — eine späte Note: Keller, Weihrauch; 55s — das Finale — ein warmes Echo der Vorratskammer.
Wann trinken
Tag und früher Abend. Sommer und Herbst — besonders bei feuchter Hitze. nach schwerer Mahlzeit, bei Magenschwere, in tropischer Hitze, in Erschöpfung