Tee und Blutdruck: erhöht er ihn oder senkt er ihn
Die kurze Antwort: beides — je nach Zeithorizont. Unmittelbar nach der Tasse kann Koffein den Blutdruck für ein bis zwei Stunden um etwa 3–8 mmHg anheben, besonders bei Menschen, die selten Tee trinken. Metaanalysen zum regelmäßigen Konsum zeigen jedoch das umgekehrte Bild: Bei Menschen, die über Monate täglich Grüntee trinken, liegt der systolische Blutdruck im Mittel um 2–4 mmHg niedriger. Ein bescheidener, aber statistisch stabiler Effekt — vergleichbar mit der Wirkung von weniger Salz in der Ernährung.
Was passiert mit dem Blutdruck direkt nach der Tasse?
Koffein blockiert die Adenosinrezeptoren und löst eine leichte Adrenalinausschüttung aus — die Gefäße verengen sich kurzzeitig, Puls und Blutdruck steigen etwas an. Der Effekt ist bei koffein-„naiven“ Menschen deutlicher; wer täglich Tee trinkt, entwickelt eine Toleranz, und die akute Reaktion verschwindet fast. Tee enthält weniger Koffein als Kaffee (die ausführliche Analyse steht im Guide „Koffein im Tee“), und L-Theanin glättet zusätzlich die Adrenalinspitze — deshalb bleibt der „Kaffee-Sprung“ beim Tee gewöhnlich aus.
Was zeigen die Studien zum regelmäßigen Konsum?
Cochrane-Übersichten und Metaanalysen randomisierter Studien (vor allem zu Grüntee und seinen Extrakten) verzeichnen bei regelmäßigem Konsum ab einigen Wochen eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 2–4 mmHg und des diastolischen um 1–2 mmHg. Der vermutete Mechanismus: Catechine (allen voran EGCG), die die Endothelfunktion und die Bildung von Stickstoffmonoxid verbessern, das die Gefäße entspannt. Eine wichtige Einschränkung: Der Effekt ist bescheiden, die Studien sind uneinheitlich, und Tee ersetzt keine verordnete Therapie. Wer Blutdruckmedikamente nimmt, bespricht das mit dem Arzt — nicht mit der Teekanne.
Welchen Tee bei Neigung zu erhöhtem Blutdruck wählen?
Die Logik ist einfach: weniger Koffein, mehr Milde. Gute Kandidaten sind gereifter Weißtee wie Lao Shou Mei, Shu Pu-Erh und GABA-Oolong. Zum GABA-Tee gibt es einzelne kleine Studien, die GABA mit einer sanften Blutdrucksenkung in Verbindung bringen, doch die Datenlage ist noch dünn — die ehrliche Analyse steht im Guide „GABA-Tee: was das ist“. Ein weiterer Kniff: kurze Aufgüsse statt langen Ziehens — so gelangt weniger Koffein auf einmal in die Tasse (siehe „Kurzaufgüsse oder Ziehenlassen“).
Und wenn der Blutdruck niedrig ist?
Bei Hypotonie kann das moderate Koffein aus dem Tee im Gegenteil helfen, ohne abrupte Sprünge wach zu werden. Geeignet sind junger Sheng Pu-Erh, kräftiger roter Tee oder früh geernteter Grüntee wie Longjing — Knospen und junges Blatt enthalten mehr Koffein. Hauptsache, nicht auf leeren Magen: Warum das wichtig ist, erklärt der Guide „Tee auf nüchternen Magen, zum Essen und am Abend“.
Wann ist Tee eine schlechte Idee?
Sehr starker Tee in großen Mengen bei unkontrollierter Hypertonie, Koffeinempfindlichkeit oder Herzrhythmusstörungen ist ein Grund zur Vorsicht. Außerdem kann Koffein mit einigen Medikamenten wechselwirken. Der Richtwert für die Gesamtmenge steht im Guide „Wie viele Tassen Tee pro Tag man trinken kann“.
Fragen und Antworten
Welcher Tee senkt den Blutdruck?
Am besten untersucht ist Grüntee: Regelmäßiger Konsum ist mit einer Senkung des systolischen Blutdrucks um 2–4 mmHg verbunden. Vielversprechend ist GABA-Tee, doch zu ihm gibt es weniger Daten.
Darf man Pu-Erh bei Bluthochdruck trinken?
Shu Pu-Erh ist in der Wirkung einer der mildesten Tees: Sein Koffein ist teilweise gebunden, und man gießt ihn in kurzen Aufgüssen auf. Bei kontrolliertem Blutdruck ist maßvoller Konsum meist kein Problem — im Zweifel fragen Sie den Arzt.
Erhöht Tee den Blutdruck stärker als Kaffee?
Nein. Eine Tasse Tee enthält 2–3-mal weniger Koffein als Kaffee, und L-Theanin dämpft dessen Wirkung.
Wie lange nach dem Tee normalisiert sich der Blutdruck?
Der akute Koffeineffekt hält ein bis drei Stunden an. Bei regelmäßigen Teetrinkern ist er schwach ausgeprägt oder fehlt ganz.
Tees, bei denen das vorkommt
Siehe auch
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Hypertonie oder Medikamenteneinnahme stimmen Sie den Teekonsum mit einer Fachperson ab.
Anleitungen zum chinesischen Tee